Warum erfolgreiche Sportler die besseren Schauspieler sind!

By Eric
In Body, Mind
Februar 15, 2019
6 min read

Du fragst dich: Warum du gut schauspielen musst, um erfolgreich zu sein? Diese Frage beantworte ich in diesem Interview, das im Februar 2019 auf dem Podacst “Sportmentaltraining” von Thomas Mangold erschienen ist. Außerdem findest du viele Informationen dazu im nachstehenden Artikel, den ich zu diesem Thema geschrieben habe. Aber zunächst kann ich dir verraten: Es geht um deine Mentale Stärke.

Das Interview: Mehr innere Stärke

Höre hier das Interview zum Thema: Mehr innere Stärke mit Thomas Mangold.
 „Mentale Stärke ist, wenn du immer nahezu 100 Prozent deiner Leistung abrufen kannst. Egal wie die äußeren Umstände sind.“

 

Innere Stärke ist zutiefst physisch!

Viele Menschen, auch Athleten glauben, dass mentale Prozesse nichts anderes sind, als heiße Luft im Kopf hin- und herzuschieben. Weil man Gedanken und Emotionen nicht sehen kann, verfallen manche in den Irrtum, dass sie keinen Einfluss auf uns selbst und unsere Leistung haben.

Diese Annahme ist grundlegend falsch. „Innere Stärke ist zutiefst physisch“, das sagt der renommierte Psychologe Dr. James E. Loehr, der zahlreiche Weltklasseathleten betreut hat. Der Beweis liegt auf der Hand. Der Körper ist physisch, Talent und Können sind physisch, Emotionen sind neurochemische Vorgänge und damit auch physisch. Gedanken, sowie Vorstellungen sind elektrochemische Abläufe im Gehirn und somit auch physisch. Deswegen hat das folgende Modell im Mentaltraining durchgesetzt:

Abb. 1: Die 3 Komponenten der inneren Stärke – physisch, mental und emotional.

 

 

Mentale Stärke: Den idealen Leistungszustand herstellen!

Der ideale Leistungszustand (ILZ) ist die optimale physiologische und mentale Aktivierung, die man für einen Wettkampf oder eine andere herausragende Tätigkeit benötigt. Diese Aktivierung kann man anhand vieler körperlichen Parameter ablesen, wie Pulsschlag, Muskelspannung, EEG-Rhythmus oder Blutdruck. Aber auch ein ganz bestimmtes Muster an Gefühlen und Empfindungen tritt im idealen Leistungszustand auf. Viele Athleten beschreiben diesen mit ähnlichen Worten:

  • selbstbewusst und zuversichtlich.
  • ruhig und entspannt.
  • aufgeladen mit positiven Emotionen.
  • motiviert.
  • konzentriert und bereit.
  • instinktiv eund automatische Handlungen.
  • Spaß.

 

Emotionen sind entscheidend für die Leistung!

Emotionen sind der ausschlaggebende Faktor im Sport. Positive Emotionen verleihen dir Kraft und setzen deine Talente frei. Negative hingegen rauben dir deine Kraft und verhindern die Entfaltung deines Potentials. Einige Beispiele:

Positive Emotionen: Herausforderung, Selbstvertrauen, Entschlossenheit, Schwung, Energie, Kampfgeist, Durchhaltevermögen, Spaß.

Negative Emotionen: Erschöpfung, Hilflosigkeit, Unsicherheit, wenig Energie, Angst, Schwäche, Verwirrung.

Emotionen sind deswegen so wichtig, weil sie Erregungszustände auslösen. Emotionen sind biochemische Prozesse im Gehirn, die im Körper gewaltige Veränderungen hervorrufen können. Durch diese Veränderungen näherst du dich entweder deinem idealen Leistungszustand oder du entfernst dich weiter von ihm.

 

Innere Stärke bedeutet, in jeder Situation positive Emotionen auslösen zu können.

Um ein großer Wettkämpfer und Performer zu werden, musst du lernen, positive und kraftspendende Emotionen auszulösen . Emotionale Kontrolle bedeutet auch, Kontrolle über seinen Körper und über seinen mentalen Zustand zu haben. Was du dir denkst und vorstellst, wie du dich gibst, was du isst, wie viel du schläfst und besonders wie fit du bist, wirkt sich unweigerlich auf deinen emotionalen Zustand aus. Entschlossenes Denken und Handeln, Fitness, vernünftige Ernährung und gezielte Erholung sind wichtige Voraussetzungen für deine innere Stärke. Immer wieder höre ich, dass innere Stärke nur auf den mentalen Prozess beschränkt ist. Das ist ein folgenschwerer Trugschluss!

 

Gute Schauspieler sind in der Lage Emotionen auf Abruf zu erzeugen!

Was ist der Unterschied zwischen einen guten und einen schlechten Schauspieler? Gute Schauspieler schaffen es, die vom Regisseur verlangten Emotionen lebendig und glaubhaft darzustellen. Diese Künstler haben es gelernt, dass sie durch intensivste Mimik und Gestik ihre chemischen Vorgänge im Körper beeinflussen und auf Kommando Emotionen in die richtige Richtung lenken. Die besten schaffen es sogar wirklich, in sich diese verlangte Emotion auszulösen. Wenn es das Drehbuch vorschreibt, empfindet daher ein großer Schauspieler wie Jack Nicolson tatsächlich Wahnsinn, Ärger, Zorn oder Glück.

Eine Studie aus den 70er Jahren in den USA bestätigt die Tatsache, dass Schauspieler allein durch die entsprechenden Bewegungen ihrer Gesichtsmuskeln spezifische emotionale Veränderungen in ihrem Körper hervorrufen können.

 

Gute Performer sind gute Schauspieler!

Gute Performer, egal ob Sportler oder Rockstar, haben instinktiv gelernt, die chemischen Abläufe in ihrem Körper in die gewünschte Richtung zu lenken. Nämlich nahe zum idealen Leistungszustand. Schauspieler sind auch nur Menschen und haben dieselben Alltagsprobleme wie wir. Sie haben vielleicht schlecht geschlafen, oder Kopfschmerzen, Eheprobleme, sind überarbeitet oder haben andere Sorgen im Kopf. Einem Regisseur in Hollywood interessiert das aber überhaupt nicht. Er ist nur daran interessiert, dass die Anweisungen aus dem Drehbuch überzeugend umgesetzt werden.

 

„Emotionen reagieren weitgehend auf die gleiche Weise wie Muskeln. Diejenigen, die am häufigsten umgesetzt werden, entwickeln sich am stärksten und auch am zuverlässigsten.“

 

Der mühelose Wechsel vom Real-Ich zum Performance-Ich!

Gute Schauspieler können also auf Knopfdruck von Ihrem Real-Ich (Müdigkeit, Kopfschmerzen, Eheprobleme) zum erfolgreichen Performance-Ich (Zuversicht, Energie, Selbstbewusstsein, Motivation) wechseln. Diese Emotionen auf Knopfdruck abzurufen, kannst du durch intensives Training lernen. Die Fertigkeiten, die nötig sind, um vom Real-Ich zum Performance-Ich zu wechseln sind folgende:

 

  1. Diszipliniertes Denken und Visualisieren

Gedanken und Bilder in deinem Kopf haben emotionale Reaktionen zur Folge. Durch Undiszipliniertheit im Denken und Visualisieren entfernst du dich immer mehr vom idealen Leistungszustand.

 

  1. Diszipliniertes physisches Handeln

Deine gesamte Körpersprache löst bestimmte emotionale Reaktionen aus. Dazu gehört die Art, wie du gehst, wie du Kopf und Schulter bewegst, deine Haltung und deine Mimik.

 

  1. Training von emotionalen Reaktionen

Emotionale Reaktionen brauchen wie unsere Muskulatur Zeit und Stimulation, um zu wachsen. Nur wenn du ständig an deinen emotionalen arbeitest, kann es gelingen, dass du diese in Leistungssituationen abrufen kannst.

 

Fazit:

  • Innere Stärke hat eine physische, mentale und emotionale Komponente. Nur wenn die physische und emotionale Komponente sehr gut trainiert sind, wirst du deinem idealen Leistungszustand in jeder Situation nahekommen.
  • Innere Stärke bedeutet, in jeder Situation positive Emotionen auslösen zu können.
  • Gute Schauspieler und gute Performer können durch gezielte körperliche Maßnahmen die richtigen emotionalen Reaktionen hervorrufen.
  • Durch regelmäßiges Training ist es möglich, in jeder Leistungssituation vom Real-Ich zum Performance-Ich zu wechseln und den idealen Leistungszustand zu erreichen.

Quellen: James E. Loehr (1994). Die neue mentale Stärke. BLV, München.

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